Vier Tage lang war eine Delegation aus der ukrainischen Partnerstadt Radomyschl zu Gast in Lindlar. Ziel des Besuchs war neben dem persönlichen Kontakt insbesondere der intensive Austausch im Rahmen des gemeinsamen Nakopa-Projektes „Brücke der Zusammenarbeit: Abfallvermeidung und alternative Abfallbewirtschaftung in Radomyschl und Lindlar“.
Zur Delegation gehörten neben dem ersten Bürgermeister Volodymyr Teterskyi fünf weitere Personen, die in ihren jeweiligen Funktionen in Verwaltung und Projektarbeit in Radomyschl aktiv sind.
Zu Beginn hatte Bürgermeister Sven Engelmann zu einem Empfang in das Rathaus eingeladen, an dem auch Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung, der Ratsfraktionen und des Partnerschaftskomitees teilnahmen. Für den Verein „Lindlar – Radomyschl“ war unter anderem der Vorsitzende und Vereinsgründer Dr. Georg Ludwig zu Gast. In seiner Ansprache lobte Engelmann das Engagement aller beteiligten Organisationen. Der Gemeinderat, die Verwaltung, der Verein und das Partnerschaftskomitee seien die tragenden Säulen dieser Städtepartnerschaft, so der Bürgermeister. Sein besonderer Dank galt Edeka Stöcker für die Spende des Büffets. Radomyschls Bürgermeister Teterskyi zeigte sich beeindruckt von der Geschlossenheit, mit der die Partnerschaft in Lindlar unterstützt werde. Man wisse dies sehr zu schätzen und freue sich in der gesamten Ukraine über die Hilfsangebote aus Deutschland. „Wir haben die Hoffnung, auch dank dieser Hilfen den Krieg bald zu beenden“, so Teterskyi. Mitgebracht hatten die Gäste unter anderem einen kurzen Film, in dem die Stadt Radomyschl vorgestellt wurde. „Trotz des Kriegsalltages in der Ukraine gibt es viele Gemeinsamkeiten und ähnliche Herausforderungen in unseren Gemeinden“, stellte Bürgermeister Engelmann zum Abschluss fest: „Wir halten zusammen und schauen gemeinsam in die Zukunft“.
Im weiteren Verlauf des Besuches und im Zusammenhang mit dem Nakopa-Projekt, das seitens der Lindlarer Gemeindeverwaltung von Nicole Mirgeler betreut wird, fand ein Besuch beim Bergischen Abfallwirtschaftsverband und dem Projektstandort :metabolon statt. Das Projekt hat zum Ziel, die Abfallwirtschaft in der Partnerkommune nachhaltig zu stärken. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Bausteine: Zum einen der Ausbau der Abfall-Infrastruktur – darunter die Erstellung eines lokalen Abfallwirtschaftsplans, die Analyse der Wertstoffströme sowie der Aufbau eines kommunalen Abfuhrsystems.
Zum anderen die Umweltbildung und Sensibilisierung, wie etwa Informationsangebote zur Abfallvermeidung und zum Recycling oder Schulaktionen, um insbesondere Kinder und Jugendliche für nachhaltiges Handeln zu sensibilisieren. Das Projekt wird im Rahmen des Förderprogramms „Nakopa – Nachhaltige Kommunalentwicklung durch Partnerschaftsprojekte“ umgesetzt, das durch die gemeinützige GmbH „Engagement Global“ mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert wird. Die Gesamtförderung beträgt rund 208.000 Euro, wobei 90 Prozent der Kosten gefördert werden. Die verbleibenden 10 Prozent trägt die Partnerkommune. Aktuell wurden bereits erste wichtige Schritte umgesetzt, darunter eine Haushaltsbefragung, die Erstellung einer interaktiven Karte sowie die Einstellung einer Projektmanagerin.
Das Nakopa-Projekt zeigt eindrucksvoll, wie konkrete Infrastrukturmaßnahmen mit nachhaltiger Umweltbildung kombiniert werden können. Gleichzeitig stärkt es die Partnerschaft zwischen Lindlar und Radomyschl und setzt ein wichtiges Zeichen für internationale Zusammenarbeit und Solidarität.
Das weitere Programm, organisiert vom Verein „Lindlar – Radomyschl“, umfasste neben der Besichtigung des neuen Feuerwehrgerätehauses in Frielingsdorf und einer Brauereibesichtigung bei 2t auch einen Firmenrundgang bei der ONI Wärmetrafo GmbH. Dabei überraschte der geschäftsführende Gesellschafter Wolfgang Oehm die Delegation mit der Übergabe eines Fahrzeuges mit Anhänger, das in der Partnerstadt dringend benötigt wird. Oehm hat sich bereits mehrmals für die Ukraine engagiert, unter anderem stellte er 100 Gasöfen und 10.000 Gaskartuschen zur Verfügung, die angesichts der Stromausfälle in der Ukraine sehr willkommen waren.



