Erinnerungsarbeit, europäische Verständigung und persönliche Begegnung standen im Juli im Mittelpunkt eines internationalen Workcamps in Lindlar: 23 Jugendliche aus Deutschland und Frankreich kamen für eine Woche zusammen, um ein Zeichen für Frieden und die deutsch-französische Freundschaft zu setzen.
Ausgerichtet wurde die Jugendbegegnung vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Eine Woche lang setzten sich die jungen Menschen mit der Geschichte des Nationalsozialismus, mit dem Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sowie mit der Bedeutung eines friedlichen und vereinten Europas auseinander. Im Anschluss an den Aufenthalt in Lindlar wurde die Begegnung im nordfranzösischen Monampteuil fortgeführt.
Die Gruppe bestand aus elf Jugendlichen aus Lille und Lyon sowie zwölf Jugendlichen aus verschiedenen deutschen Regionen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren im Schnitt 14 Jahre alt und während ihres Aufenthalts in der Jugendherberge Lindlar untergebracht. Betreut wurde die Gruppe von Tankred Suckau vom Volksbund sowie zeitweise von Bildungsreferentin Konstanze Bauer, die den Jugendlichen bei einer Führung die Geschichte der Kriegsgräberstätte auf dem Lindlarer Gemeindefriedhof vermittelte.
Den Schwerpunkt des Aufenthalts bildete die Pflege der Kriegsgräber auf dem Gemeindefriedhof. Nach einer Einführung reinigten die Jugendlichen die Grabstätten mit Eimern und Bürsten und leisteten so einen aktiven Beitrag zur Erinnerungskultur. Michael Jung, Mitarbeiter des Friedhofs der Gemeinde Lindlar, informierte die Gruppe über das Friedhofsgelände und die Trauerhalle. Organisatorisch unterstützt wurde das Projekt von Nicole Berghaus und Friedhelm Schwirten vom Fachbereich Feuerschutz, Friedhof- und Personenstandswesen der Gemeinde Lindlar, die unter anderem die benötigten Arbeitsmaterialien bereitstellten. Beim Arbeitseinsatz war zudem Thorsten Wolter vom Bezirksvorstand des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge anwesend.
Neben der praktischen Arbeit befassten sich die Jugendlichen intensiv mit den Schicksalen der Kriegsopfer und den unterschiedlichen Erinnerungskulturen in Europa. Zum Programm gehörte auch eine Exkursion nach Köln, bei der die Gruppe das NS-Dokumentationszentrum im EL-DE-Haus besuchte.
Zum Auftakt der Jugendbegegnung empfing Bürgermeister Sven Engelmann die internationalen Gäste am 14. Juli – dem französischen Nationalfeiertag – im Rathaus der Gemeinde Lindlar. In seinem Grußwort betonte er die Bedeutung von Demokratie, Freiheit und Völkerverständigung und hob hervor, dass persönliche Begegnungen junger Menschen die Grundlage für ein friedliches Europa seien.
Vor dem Beginn des Arbeitseinsatzes überreichte Bürgermeister Engelmann den Jugendlichen kleine Tütchen mit Kornblumensamen sowie im Namen des Partnerschaftskomitees der Gemeinde Lindlar eine finanzielle Unterstützung für eine gemeinsame Erfrischung. Die Kornblume gilt in Frankreich als zentrales Symbol des Gedenkens an die Opfer der Kriege und steht zugleich für Frieden und Solidarität.
Auch das Partnerschaftskomitee der Gemeinde Lindlar begleitete die Jugendbegegnung. Die Vorsitzende Sandra Sonntag und Isabelle de Rochette unterstützten das Projekt und unterstrichen damit die enge Verbundenheit mit der französischen Partnerstadt Brionne sowie die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft.
Eine der Betreuerinnen brachte den Charakter des Projekts auf den Punkt: „Es ist eine schöne Mischung aus ernsten Themen und Spaß.“ Deshalb hatten neben der intensiven Auseinandersetzung mit der Geschichte auch gemeinschaftliche Aktivitäten, kultureller Austausch und das Knüpfen neuer Freundschaften ihren festen Platz.
Das Workcamp „Geschichte schreiben“ war eines von rund 30 internationalen Jugendprojekten, die der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in diesem Sommer organisierte. Seit dem ersten Workcamp im Jahr 1953 haben mehr als 300.000 junge Menschen aus ganz Europa an den internationalen Jugendbegegnungen des Volksbundes teilgenommen.
Mit dem Workcamp wurde einmal mehr deutlich, dass Erinnerungsarbeit nicht allein den Blick zurück richtet, sondern jungen Menschen zugleich die Möglichkeit eröffnet, Verantwortung zu übernehmen und Vorurteile abzubauen.
Quelle: Gemeinde Lindlar



